Weiterbildung in der Schweiz: Ein heterogenes System
In der Schweiz besteht ein umfangreiches, vielseitiges Angebot im Bereich Weiterbildung. Dazu gehören Kurse, Seminare, Lehrgänge und Nachdiplomstudien, aber auch Lernmöglichkeiten ausserhalb von Kursstrukturen, darunter: Museumsbesuche und Workshops, Lesungen, Exkursionen oder Kongresse und anderes mehr. Ebenfalls zur Weiterbildung gehören das e-Learning, Lernen am Arbeitsplatz sowie das selbstständige Nutzen von Lernmaterialien und Fachliteratur oder das Lernen in selbstorganisierten Gruppen.
Das Spektrum der Anbieter reicht von der kleinen Privatschule bis zum Weiterbildungskonzern und von öffentlichen Trägern, Verbänden oder Gewerkschaften bis zu Kleinstbetrieben, Lernstudios und freien Trainern. Dabei dominieren klar die privaten Anbieter: Sie stellen rund 80% der gesamten Kursstunden bereit, während die öffentlichen Träger – vor allem Universitäten, Fachhochschulen und öffentliche Berufsschulen – nur gerade 20% der Weiterbildungsstunden anbieten.
Vielfalt kennzeichnet auch die vermittelten Inhalte. Zu den beliebtesten Kursinhalten gehört der Dauerbrenner Sprachen mit einem Anteil von 16% an allen innerhalb eines Jahres besuchten Kursstunden. Eine sehr wichtige Rolle spielen ausserdem (mit einem Anteil von je ca. 10%) die Bereiche Gesundheit/Medizin, Kaderkurse und Informatik. Die meisten dieser Kurse können sowohl aus beruflichen wie aus persönlichen Gründen besucht werden. Was für den Beruf gelernt wird, findet auch im Privatleben, bei ehrenamtlichen Tätigkeiten oder in Freizeitaktivitäten Verwendung – und umgekehrt: Die Arbeitswelt profitiert von Erwachsenen, die in ihrer Freizeit die unterschiedlichsten Kompetenzen erwerben.
Auf der Ebene der Kursinhalte ist es also nicht möglich, eine klare Grenze zwischen berufsorientierter und allgemeine Weiterbildung zu ziehen. Bildungsexperten haben diese Herausforderung längst angenommen und Konzepte entwickelt, die der heutigen Realität entsprechen. Bekannt sind diese Ansätze unter dem Namen «Lifelong Learning» bzw. Lebenslanges Lernen: einem Paradigma, das sich seit den 1990-er weltweit durchsetzt.
Dies gilt auch für den SVEB: Wir verwenden seit rund 10 Jahren einen integralen Weiterbildungsbegriff, der auf dem Paradigma des Lebenslangen Lernens basiert. Der Begriff trägt dazu bei, die zunehmend realitätsferne Spaltung in allgemeine und berufsorientierte Weiterbildung zu überwinden. Zu den Konsequenzen der Lifelong-Learning-Perspektive gehört ausserdem, dass die Begriffe „Weiterbildung“ und „Erwachsenenbildung“ heute weitgehend dasselbe bedeuten.
Die politischen Strukturen sind vom föderalistischen Charakter der Schweiz geprägt. Dies gilt für alle Bereiche, wird aber in der Bildung besonders deutlich: Zuständig sind hier Bund, Kantone und auch die Gemeinden. Eine zentrale Koordinationsstelle für den gesamten Bereich existiert bislang nicht. Damit neigen auch die Förderstrukturen zur Intransparenz. Es ist beispielsweise nicht bekannt, wie viele Ressourcen von Bund und Kantonen in den Weiterbildungsbereich fliessen.




