Lernen: formal, non-formal, informell
Auf europäischer Ebene hat sich in den letzten Jahren die Unterscheidung des Lernens Erwachsener in drei Lernformen durchgesetzt: formales, non-formales und informelles Lernen. Verwendet wird diese Einteilung unter anderem bei der europäischen Statistik Eurostat und bei OECD-Projekten. Für die Schweizer Realität sind diese Begriffe problematisch, da sie mit der bisherigen Praxis nicht übereinstimmen, was gelegentlich zu Verwirrung führt.
Um die internationale Vergleichbarkeit der Weiterbildungsstatistiken zu gewährleisten, hat auch das Bundesamt für Statistik diese Begriffe übernommen, obwohl sie für Erhebungen in der Schweiz nicht optimal sind. Problematisch ist beispielsweise, dass gemäss diesem Verständnis fast der gesamte Weiterbildungsbereich in den non-formalen oder informellen Bereich fällt, während man früher einen Teil der Weiterbildung zum formalen System zählte. Schwierig ist ausserdem die Zuordnung von Angeboten der höheren Berufsbildung: So fallen beispielsweise Vorbereitungskurse für Berufs- und Höhere Fachprüfungen in die non-formale Weiterbildung, während die Prüfungen selbst ins formale nationale System gehören.
Der SVEB verwendet die drei Begriffe dort, wo auf Weiterbildungsstatistiken verwiesen wird. In diesem Bereich muss die Unterscheidung der Lernformen zwingend übernommen werden, da die einzige repräsentative schweizerische Teilnehmerstatistik auf ihnen beruht (die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung SAKE des Bundesamtes für Statistik).
Für die Auseinandersetzung mit strukturellen und politischen Fragen der Weiterbildung ist die Unterscheidung der Lernformen im genannten Sinn aus Sicht des SVEB wenig hilfreich.
| Lernformen Die formale Bildung findet innerhalb des nationalen Bildungssystems statt, das aus Schule, Berufsbildung und Tertiärbildung besteht. Die nicht-formale Bildung beinhaltet alle Unterrichtsformen ausserhalb des formalen Bildungssystems (Aktivitäten im Rahmen einer Lehrer-Schüler-Beziehung: Weiterbildungskurse sowie Seminare, Konferenzen, Fernstudien u.a.) Das informelle Lernen umfasst sämtliche Aktivitäten, die explizit einem Lernziel dienen, aber ausserhalb einer Lernbeziehung stattfinden (Verwendung von Lehrmitteln, Beobachten anderer Personen, On-the-job-Lernen). (Quelle: Bundesamt für Statistik, gekürzte Fassung der Definition von Borkowsky/Zuchuat 2006, S. 9) |




